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Erdbeben auf Lombok ein Erfahrungsbericht

So haben unsere Kunden und Freunde die Erdbeben auf Lombok erlebt

Den nachfolgenden, tiefgehenden und sehr persönlichen Erfahrungsbericht haben uns unsere langjährigen Kunden und Freunde aus Lombok zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. 

Herzlichen Dank dafür an Bärbel und Gerhard!

Auch für uns als Indonesienkenner mit vielen Kontakten war es nach den Erdbeben schwierig, verlässliche Informationen zu erhalten. Fake News machen auch vor Naturkatastrophen leider keinen Halt mehr. So gab es einige Tage an denen wir nicht einschätzen konnten, wie die Lage auf Lombok und den Gili Inseln wirklich ist. Von totaler Zerstörung bis zu geringe Schäden gab es alles zu finden. Vom totalen Horror bis zu "alles halb so wild". Wie immer liegt die Wahrheit wohl dazwischen. 

Tatsache ist, das Beben war heftig und hat seine Spuren hinterlassen. Eine gute Freundin, die auf Bali lebt und die keine ängstliche Natur ist, hat das Beben selbst auf Bali als sehr furchteinflößend erlebt. Das gab uns zu denken! Aber auch hier kam es wohl darauf an, wo man sich befunden hat. Gäste, die im Norden von Bali Ihren Urlaub verbrachten, bekamen außer ganz sachten Erschütterungen überhaupt nichts mit.

Doch nun zum Erfahrungsbericht von Bärbel und Gerhard!

 

So haben wir das Erdbeben auf Lombok erlebt

Aus gegebenem Anlass melden wir uns nach so langer Zeit noch mal mit einer Rundmail. Viele von euch haben sich auf verschiedenen Wegen bei uns nach unseren Erfahrungen der letzten fast 4 Wochen erkundigt. Wir haben auch versucht, alle Fragen so gut es geht zu beantworten. Aber nachdem wir jetzt fest daran glauben, dass der Spuk nun vorbei ist, gibt’s heute einen etwas ausführlicheren Bericht. Insgesamt hatten wir 4 schwere Erd- bzw. Seebeben auf Lombok  

Das 1. Erdbeben auf Lombok am Sonntagmorgen

Das erste traf uns am 29.07. Sonntagsmorgens und Viertel vor 7 und hatte eine Stärke von 6.4 RS. Gerhard saß schon auf der Terrasse, ich lag noch mit unseren Kätzchen schmusend im Bett bei offener Terrassentür. Ich bin natürlich sofort rausgeschossen. Aber als ich draußen war, war schon alles vorbei. Bei uns hat „nur“ die Erde ein wenig gewackelt, nichts hat geklirrt oder ist gar kaputt gegangen. Wir haben dann gefrühstückt und sind um halb 11 bei uns um die Ecke ins Café Temptations gegangen, wo wir uns jeden Sonntag mit Freunden zum Kaffeetrinken treffen. Wir haben kurz darüber gesprochen, und das Erdbeben war abgehakt. Bei uns im Westen Lomboks oder gar im Süden und in Zentrallombok ist bei diesem Beben überhaupt nichts passiert. Schlimm hat es da schon den Norden getroffen, die Touristenorte Senaru und Sembalun, wo die Rinjani-Touren starten. Eine Freundin von uns, die die kleine schnuckelige Ferienanlage Rinjani Mountain Garden liebevoll aufgebaut hat, hat uns erzählt, noch nie so ein schlimmes Erdbeben erlebt zu haben. Bei ihr in der Anlage direkt ist kaum etwas passiert, weil sie hauptsächlich aus Holz und Bambus gebaut haben, aber die Dörfer ringsherum wurden bei diesem ersten Beben schon arg getroffen.  

Das 2. Erdbeben auf Lombok am Sonntagabend

Das zweite und mit Abstand schlimmste Erdbeben ereilte uns am Sonntag drauf abends um Viertel vor 8 mit 7.0 RS, später korrigiert auf 6.8 RS. Wir waren gerade auf der Terrasse am Fernsehen, als auf einmal die Erde ganz arg anfing zu wackeln. Ich bin sofort auf die Wiese gestürzt und habe breitbeinig versucht, mich zu halten. Gerhard kam nicht runter von der Terrasse, weil es so geschüttelt hat und er sich an einem Stuhl festgepackt hat. Das Beben soll 22 Sekunden gedauert haben, kam uns aber wie ewige Minuten vor. In unserem Haus hat es wahnsinnig geklirrt und gescheppert. Wir dachten schon, dass alles heruntergefallen sei. Unser Kaya ist bei dem Beben abgeschossen und über 2 Tage nicht mehr nach Hause gekommen. Die beiden Kleinen haben es entspannter genommen. Wir sind, als sich die Erde beruhigt hatte, sofort den Berg bei uns hoch, um zu sehen, wie es unseren Freunden geht. Auf der Höhe waren mind. 150 Menschen versammelt, zitternd, weinend, total verängstigt, weil niemand je so etwas erlebt hatte. Außerdem bestand zunächst eine Tsunami-Warnung, die aber nach rd. einer Stunde aufgehoben wurde. Schlimm war zudem, dass es dunkel war und der Strom ausgefallen war, so dass man nichts sehen konnte. Zum Glück liefen ein paar Generatoren, die ein bisschen Licht erzeugt haben. Irgendwann gegen Mitternacht sind wir dann wieder nach Hause gegangen, haben das Auto aus dem Carport gefahren und versucht, mit unseren kleinen Kätzchen darin zu schlafen. Die beiden hatten aber mehr Lust zu spielen und zu toben, aus den geöffneten Autofenstern rausspringen und dann laut miauen, dass man die Autotür öffnet, damit sie wieder reinkönnen. Aber an Schlaf war eh nicht zu denken.

Der Tag nach dem Erdbeben auf Lombok und die Schäden

Morgens konnten wir unsere Schäden dann in Augenschein nehmen, hatten schon die schlimmsten Befürchtungen, aber es war kaum etwas kaputt gegangen, hatte nur so gescheppert, weil Glas und Keramik aus hoher Höhe auf die Fliesen geknallt, Flaschen im Vorratsraum zu Bruch gegangen und etliche Dosen aus den Regalen gefallen waren. Aber alles halb so schlimm. Unser Haus stand und hat außer abgesplittertem Putz um die Holzbalken herum nichts abbekommen, wie auch alle anderen Häuser auf unserer Seite vom Berg, wohl weil wir nicht an Eisen und Zement sparend auf Fels gebaut haben. Ganz anders sieht es bei uns im Tal und in den kleinen Dörfern rundherum aus, wo etliche Häuser große Schäden, mindestens abgedeckte Dächer haben, einige ganz eingestürzt sind. Aber viel, viel schlimmer hat es die Orte etwa ab Nipah Beach getroffen, hier ist jedes Dorf dem Erdboden gleich, jedes Haus ist hin. 

Donnerstag am 09.08. waren wir mit dem Auto unterwegs, um u.a. Katzenfutter zu kaufen. In dem, Moment, als wir gegen halb 2 mittags beim Tierarzt vor’s Geschäft fuhren, fing das Auto an hin und her zu wackeln, dass ich nur zu Gerhard gebrüllt habe: gib Gas! Das war das 3. heftige Erdbeben mit 6.2 RS. Wessen Haus bei den vorherigen Beben schon beschädigt war, aber noch stand, hatte jetzt alles verloren. Auf der ganzen Insel fiel der Strom aus. insgesamt waren wir gute 2 Tage komplett ohne Strom und hatten seitdem auch tagelang kein Wasser mehr, weil die Wasserleitungen, die uns versorgen, gebrochen waren. Wir sind in der glücklichen Lage uns helfen zu können. Wasser für die Klospülung und zum Putzen nehmen wir aus dem Jacuzzi, gewaschen haben wir uns mit Trinkwasser. Ist zwar eine Schande, das gute Wasser zu verquatschen, was andere nicht genug zum Trinken haben, aber wir wollen uns wenigstens sauber fühlen. Seit 17.08. haben wir zum Glück 500 ltr, Wasser in unseren Tank bekommen, dass ein Bekannter organisiert hat. Damit kamen wir erst mal ein paar Tage aus, wobei wir weiterhin das Jacuzzi-Wasser als Brauchwasser nutzen. Wir sind trotz allem sehr, sehr privilegiert. Inzwischen haben wir auch wieder öffentliches Wasser.

 Seitdem gab es immer noch kleinere Nachbeben, die wir aber bei uns meist gar nicht spüren, lediglich auf der Erdbeben-App verfolgen.

 Die Schadensaufnahme nach dem Erdbeben auf Lombok

Am Tag, als wir endlich wieder Wasser hatten, haben wir uns mal Richtung Norden auf den Weg gemacht, um das Ausmaß der Erdbeben mit eigenen Augen zu sehen. Fotos haben wir keine gemacht. Quasi ab Nipah ist alles nahezu dem Erdboden gleich, und was noch steht, ist baufällig und muss abgerissen werden. Wir sind bis Pamenang gefahren, wo es an der Kreuzung zum Hafen nach Bangsal, der Anlegestelle der Boote zu den Gilis Air, Meno und Trawangan, abgeht. Diese noch vor 4 Wochen lebendige, geschäftige Kreuzung gibt es nicht mehr. Schweres Gerät ist dabei, den Schutt zu beseitigen und wegzufahren. Es sieht aus wie im Krieg. Die 3 Gilis hat es auch ganz schlimm erwischt. Meine Freundin Silvia und ihr Mann Saleh betreiben eine kleine liebevoll gestaltete Anlage auf Gili Meno. Auch sie haben riesige Schäden und müssen mindestens die Villa Sunset aufgeben. Derzeit ist auf den 3 nordwestlichen Gilis kein Tourismus möglich, soll aber ab 25.08. wieder geöffnet werden. Wir sind über den Pusuk Pass zurückgefahren, wo es oben am Berg relativ unbeschadet aussieht. Was uns auch wundert bzw. natürlich freut, ist, dass alle Straßen und Brücken bis auf eine in Tanjung heile geblieben sind, so dass wenigstens der Verkehr für die medizinische Versorgung, die Hilfslieferungen und die Aufräumarbeiten ohne Beeinträchtigungen fließen kann.  Hier kann man übrigens sehen, wo überall Camps sind und dementsprechend die Zerstörungen: https://www.google.com/maps/d/viewer?mid=1RyfDBelGynXjq6rcROFvW89BpNKYTNa2&hl=en&ll=8.600159804928055%2C116.23368598774903&z=10

Das 3. Erdbeben auf Lombok und wieder ein Sonntag

Als wir schon dachten, wir hätten die Beben überstanden, kam der 3. schlimme Sonntag, der 19. August! Mittags kurz nach 12 erschütterten kurz hintereinander 2 Beben die Erde mit zuerst 5.4 und dann 6.5 RS. Eigentlich wäre es gar nicht so schlimm gewesen, wenn wir nicht die Vorerfahrungen gemacht hätten. Als wir schon dabei waren, uns auf eine ruhige Nacht einzustellen, uns gerade gemütlich ins Bett gelegt hatten, kam gegen 23 Uhr das nächste schwere Beben mit 7.0 RS. Wir sind sofort raus, am ganzen Leib zitternd, haben unser Auto rausgefahren und sind erst mal drin sitzen geblieben. In der Folge kam es bis zum frühen Morgen des nächsten Tages zu 9 weiteren Nachbeben zwischen 5.0 und 5.8 RS, die uns natürlich nicht zur Ruhe haben kommen lassen. Aber seitdem ist relative Ruhe eingekehrt. Es gab nur noch 2 für uns nicht spürbare Beben von 5.1 RS. Wir haben alle beschlossen, dass es das jetzt war!!! Komischerweise wollte unsere Kaya, wie sonst immer am Sonntagabend nicht zu uns ins Schlafzimmer, sondern ist kurz vor dem Beben weggelaufen….

 Kann man auf Lombok noch Urlaub machen?

Lombok steht unter Schock, keine Frage, aber neben den psychischen Problemen, die die allermeisten haben, kommen jetzt auch noch die existenziellen hinzu, wenn die Touristen ausblieben und damit die Arbeitsplätze wegfallen, da die meisten im Tourismus arbeiten bzw. direkt davon abhängig sind, angefangen von den Strandverkäufern, Massagetanten, Guides, Fahrer, Angestellte in Hotels und Restaurants, Tauchschulen, Souvenirläden, Taxifahrer – niemand verdient mehr Geld, um sich und seine Familie zu unterhalten, geschweige denn den Wiederaufbau voranzutreiben und die Betroffenen im Norden zu unterstützen.

Deshalb braucht Lombok mehr denn je jeden einzelnen Touristen!!!

Absolut unbeschädigt und intakt ist der Süden Lomboks mit all seinen traumhaften Stränden um den Touristenort Kuta, der nichts mit Kuta/Bali gemein hat. Genauso unversehrt sind die wunderschönen „Secret“ Gilis im Südwesten Nanggu, Tangkong, Sudak, Gede, Asahan, Genting und Lontar. Zentrallombok mit zahlreichen traditionellen Handwerksdörfern kann ebenso ohne Einschränkungen besucht werden wie Tetebatu und Umgebung. Dazu auch dieser Artikel: www.samesamekutalombok.com/how-to-suppoprt-afterlombok-earthquakes/.

In und um Senggigi ist zwar einiges kaputt, auch Hotels wie z.B. das Sheraton und Restaurants sind zu Schaden gekommen, aber so nach und nach öffnen die Betriebe wieder bzw. waren nie geschlossen, z.B. The Chandi und Living Asia als Hotels, das Square, Asmara, Lotus und Willys als Restaurants. Als Tourist hat man auch in Senggigi keine Einschränkungen, wenn man mal von den optischen Beschädigungen absieht.

Wenn der Wiederaufbau so erfolgt, wie derzeit die Aufräumarbeiten vonstattengehen, dann ist die touristische Infrastruktur im nächsten Jahr hoffentlich komplett wiederhergestellt. Den geplanten Lombok-Urlaub in diesem Jahr jetzt nicht anzutreten oder gar bereits für 2019 zu stornieren, ist totaler Quatsch und schadet nur der lokalen Bevölkerung!

Spendenaktion für die Erdbebenopfer von Lombok

Aber all das und vor allem auch der Wiederaufbau der Häuser der rd. 500.000 Menschen, deren Dörfer dem Erdboden gleich sind, kostet natürlich viel Geld. Deshalb bitten wir euch auch um eine kleine Spende, z.B. an: https://www.aktion-deutschland-hilft.de/de/fachthemen/news/erdbebenerschuettert-lombok/ oder andere Organisationen, die im Katastrophengebiet tätig sind. 

Wir selbst haben uns dafür entschieden, neben lokalen Organisationen, wo wir die Handelnden teilweise persönlich kennen und wissen, was sie vor Ort leisten, vor allem unsere 3 Angestellten Murni, Udin und Re mit ihren Familien zu unterstützen, die auch alle den Wiederaufbau ihrer Häuser und die Rückkehr in ihr altes Leben vor der Brust haben. Wer dazu ein Wenig beitragen möchte und keine Spendenquittung benötigt, der kann uns gerne etwas auf unser Konto bei der KSK Weilburg überweisen DE49 5115 1919 0000 4751 45. Wir versprechen euch, dass wir mit jeder Rupiah sorgsam umgehen und natürlich über die Verwendung der Gelder Rechenschaft ablegen werden!

Der indonesische Präsident Jokowi, der auch schon mehrfach im Katastrophengebiet im Norden war, hat zugesagt, dass jede Familie, deren Haus Schaden genommen hat, je nach Grad gestaffelt IDR 50.000.000 (rd. EUR 3.000), IDR 25.000.000 bzw. IDR 10.000.000 bekommt. Wann allerdings die Gelder fließen ist noch nicht bekannt. Bisher wartet man noch ab, den behördlichen Startschuss für den Wiederaufbau zu geben, bis sich die Erde endgültig beruhigt hat. Bis dahin unterstützen wir mit Lebensmitteln etc.

Unser persönliches Fazit nach den Erdbeben auf Lombok

Trotz allem sind wir in der sooo glücklichen Lage, dass uns und unseren Kätzchen körperlich nichts passiert ist, dass unser Haus steht und nur Schäden hat, die es nicht lohnt, der Versicherung zu melden. Unsere Angestellten und ihre Familien sind auch alle physisch heil aus der Katastrophe herausgekommen, schlafen aber alle seit dem 5. August beengt unter Zeltplanen und werden auch von außen unterstützt. Alle 3 haben uns gesagt, wie froh sie sind, dass bei uns nichts passiert ist, weil sie so ihre Arbeitsplätze behalten haben, was momentan schon ein Privileg ist.  Die psychische Belastung bei jedem von uns wird wohl noch eine Zeitlang anhalten, die Schreckhaftigkeit, das Gefühl, dass der Stuhl wackelt, obwohl sich das Wasser im Glas nicht bewegt, das Duschen in Rekordgeschwindigkeit, weil man Sorge hat, nicht rechtzeitig angezogen aus dem Haus zu kommen… Wir versuchen nicht, auf die Propheten zu hören, die vor dem 26. August und einem noch stärkeren Beben warnen, weil ja immer sonntags etwas passiert, sondern geben unserem Optimismus immer mehr Raum, dass jetzt wieder Ruhe eingekehrt!!! Wenn man dem ganzen Elend etwas Gutes abgewinnen kann, dann ist es die Tatsache, dass die deutschsprachige Community durch die Ereignisse eng zusammengewachsen ist. Man hilft sich gegenseitig, trifft sich, wenn man will, täglich am Strand zum Austausch und auf ein Gläschen Bintang ͫ und kümmert sich umeinander.

 Ganz liebe Grüße von der wunderschönen, aber momentan noch sehr traurigen Insel Lombok

 Gerhard und Bärbel mit Kaya, Nele und Leo

 

 

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